WLAN oder Netzwerkkabel? – Man benötigt beides!

07.04.2020 // Autor: Tobias Hopf

Häufig wird die Frage gestellt: Wozu braucht man Netzwerkkabel und -dosen im Heimbereich? Warum Netzwerkkabel ziehen, Netzwerkdosen anschließen, wenn man einen Router mit WLAN-Funktion doch sowieso zu Hause hat?

WLAN oder Netzwerkkabel ist die falsche Fragestellung, ebenso wie die Fragestellung Haus oder Haustür, wir benötigen beides!

Zum einen empfehlen die Normen EN-50173-4 und DIN 18015 in Einfamilienhäusern und Wohnungen eine strukturierte Verkabelung mit Netzwerkkabeln und -dosen zusätzlich zu den TV-Dosen zu installieren.

Des Weiteren übertragen sowohl Netzwerkverkabelungssysteme als auch WLAN die Daten innerhalb eines Netzwerks, jedoch tun sie dies mit unterschiedlicher Leistung, Sicherheit und Performance. Während bei einer Verkabelung, wie der Name schon sagt, die Signale per Kabel übertragen werden, findet der Datenaustausch bei WLAN über Funk statt. Das Funksignal für WLAN-Anwendungen ist grundsätzlich ein sensibles Signal, welches durch gewisse Faktoren beeinflusst wird: Wände, Decken, Schränke oder Kommoden stellen Hindernisse für das WLAN-Signal dar und reduzieren es. Je höher die WLAN-Trägerfrequenz, desto schwieriger wird dabei die Materialdurchdringung. So wird z.B. bei WIFI 6 (WLAN ax) im 60 GHz-Bereich die Durchdringung einer Stuhllehne bereits problematisch, eine Wand stellt hier ein undurchdringliches Hindernis dar. Im 5 GHz- oder 2,4 GHz-Bereich dagegen, kann sich das WLAN-Signal noch recht gut durch Hindernisse verbreiten.

Dazu ein Beispiel aus eigener Erfahrung:

Man wohnt in einem älteren Gebäude und hat keine strukturiert aufgebaute Verkabelung. Im Wohnzimmer befindet sich eine TV-Dose und eine Telefondose, an welcher der Router angeschlossen ist. Man kann jedes der Endgeräte ausschließlich mit WLAN versorgen. Innerhalb des Wohnzimmers funktioniert dies sehr gut, weil sich zwischen Router (Sender) und Endgerät, z. B. TV (Empfänger) keine Hindernisse befinden. Um dies in Zahlen auszudrücken: man hat eine 100 Mbit/s-Leitung, und an dem TV-Gerät kommen per WLAN 90 Mbit/s an (also 90% der mit dem Provider vertraglich vereinbarten Leistung). Dies ist mehr als ausreichend für Streams, via Netflix und Co. in 4K-Qualität.

Neben dem Wohnzimmer befindet sich, durch eine Wand getrennt, das Homeoffice. Dort ist via WLAN eine Datenrate von nur noch 60 Mbit/s messbar. Die Nutzung von Endgeräten wie PC, Laptop und TV funktioniert gut, jedoch gelegentlich mit Signalunterbrechungen. Einen Raum weiter befindet sich, durch eine weitere Wand getrennt, das Schlafzimmer. Hier ist lediglich 20 Mbit/s Datenrate messbar (also nur noch 20% der mit dem Provider vertraglich vereinbarten Leistung). Hier ist ein 4K-Stream unmöglich, ein Full-HD-Stream funktioniert, jedoch nicht unterbrechungsfrei.

Im Raum, der am weitesten vom Router und durch die meisten Wände und Festkörper getrennt ist, sind nur 10 Mbit/s messbar. Ob man also in den Räumen via WLAN 60%, 20% oder sogar nur 10% der mit dem Provider vertraglich vereinbarten Leistung erhält, bezahlen muss man immer die 100%. Hätte man nun eine Netzwerkverkabelung in jedem Raum, könnte man über die jeweilige Netzwerkdose immer die 100 % Datenrate abrufen, die man auch bezahlt. Und wenn man diese Netzwerkdose dann noch mit einer TV-Dose kombiniert, könnte man sogar in jedem Raum einen Fernseher (oder wahlweise auch ein Radio) anschließen und herkömmliche SAT-Signale abrufen, was in der gezeigten Situation beispielsweise im Schlafzimmer nicht möglich ist.

Vernetztes Haus mit gezielter WLAN Abdeckung

Vernetztes Haus mit gezielter WLAN Abdeckung

Da aktuell meist nur noch bestimme Geräte (Festgeräte wie Desktop-PCs, Fernseher, Soundbars, div. Laptops, IP-Radios, IP-Telefone, etc.) Netzwerkstecker besitzen, muss man ebenfalls gleichzeitig WLAN für mobile Geräte (Smartphones, Tablets, etc.) zur Verfügung stellen. Um das oben beschriebene Problem der Datenreduzierung zu lösen, setzt man das Netzwerksignal via Kabel im Raum über die Netzwerkdose auf WLAN um, z. B. mit WLAN Access Points. Somit erhält man ein störungsfreies WLAN-Signal (mit 100% Datenrate) in dem Raum, in dem es benötigt wird.

Ein weiteres Thema ist die Sicherheit. Auf ein WLAN-Funksignal lässt sich von außen leichter zugreifen als auf ein kabelgebundenes Signal. Netzwerkverbindungen, die besonders sensible Daten transportieren (PC für Homeoffice mit Firmendaten oder etwa Online-Banking) sollten im besten Fall immer mit einer Kabelverbindung hergestellt werden.

Die strukturierte Installation von Netzwerkkabeln plus WLAN macht Einfamilienhäuser und Wohnungen zukunftssicher für die informationstechnischen Anforderungen. So bleiben Änderungen der Wohnsituation und wachsende Anforderungen an die Multimedia-Bedürfnisse jederzeit realisierbar.