Dienste über Koaxkabel
in Zeiten von Corona

31.03.2020 // Autor: Tobias Hopf

Die Nachfrage nach Streamingdiensten stieg in den letzten Jahren stetig an. Anbieter wie Netflix, Amazon-Prime-Video und Magenta-TV steigerten hierzu passend die Angebote. Immer mehr Kunden konsumieren mediale Inhalte über das Datennetz, egal ob Sonderinhalte oder klassische TV-Inhalte. Hierdurch wird jedoch die Signalübertragung linearer TV-Signale über Koax-Kabel als aktuelle und zukunftsfähige Technologie immer häufiger in Frage gestellt.

Die Behauptung: Durch den ansteigenden Konsum von Inhalten über das Internet würde eine Kat.7-Netzwerkverkabelung in der Wohnung oder in dem Einfamilienhaus ausreichen, und man könnte auf das Koax-Kabel verzichten. Die aktuelle Krisen-Situation zeigt jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist.

Für eine einwandfreie Übertragung von Internetsignalen muss eine hohe Netzauslastung verfügbar sein. Je nach Stadt und Ort ist das Netz besser oder schlechter für die Übertragung hoher Datenmengen ausgelegt. Je mehr Teilnehmer innerhalb eines Netzes gleichzeitig Inhalte aus dem Internet abrufen, desto schneller ist die Maximalkapazität des Netzes erreicht.

Aufgrund der aktuellen Corona-Krise werden immer mehr Menschen dazu angehalten zu Hause zu bleiben und ihre Arbeit im Homeoffice zu erledigen. Infolge dessen wird das Netz durch die erhöhte Nutzung in privaten Haushalten derart enorm beansprucht, wofür normalerweise Industrienetze ausgelegt sind.

Um die Kapazitäten des Netzes für Homeoffice-Tätigkeiten zu gewährleisten, haben bereits Streaming Anbieter wie Netflix und YouTube die Datenmengen für die Streamingdienste reduziert. Die Inhalte werden nun in schlechterer Bildqualität zur Verfügung gestellt. Bei einer weiter ansteigenden Netzbelastung könnte dies auch dazu führen, dass Streaming-Dienste komplett eingestellt werden müssen, wie es z. B. in der Schweiz bereits diskutiert wurde. Infolge dessen könnte auch das IP-TV-Angebot, also normale TV-Inhalte via Internet, wie beispielsweise die öffentlich-rechtlichen Sender nicht mehr zur Verfügung stehen.

Für alle, die TV-Signale jedoch zusätzlich linear über Koax-Kabel empfangen (via Satelliten-Anlage oder von Breitbandkabel-Anbietern) steht weiterhin der TV-Empfang mit gestochen scharfen Bildern zur Verfügung, da das Koax-Netz und das Netz für internetbasierte Anwendungen unabhängig voneinander existieren.